Stadtgeschichte - Geschichte und Anekdoten - moderne Kunst und Architektur - historische Gebäude - Gärten und Gartenstraßen - Handwerk und Industrie - Museen und Freizeiteinrichtungen im 8. Arrondissement
(Teil Monceau)

Zwischen Monceau-Park und rue du Faubourg Saint-Honoré

15- Avenue Hoche
Etliche Fassaden den Avenue Hoche heben sich vom vorherrschenden Modell der Haussmannzeit ab. Hausnr. 30: die Firma LVMH (Louis-Vuitton-Moët-Hennecy) hat die Erneuerung ihrer Immobilie aus den 30er Jahren dem Architekten Stanislas Fiszer anvertraut. Er fasste jeweils zwei Etagen zusammen, was der Fassade einen neuen Maßstab gab: auf diese Weise betonte er ihren strengen Zuschnitt ebenso wie die wechselnde Kombination der Materialien. Der Architekt polnischer Herkunft erhielt auch den Auftrag für ein ähnliches Vorgehen bei Hausnr 7, der Botschaft Japans.

 

 

Das Haus gegenüber, die Nr. 33, beherbergt die Parfümeriesparte von Christian Dior mit einem Schaufenster von Ricardo Bofill , das Naturstein, Glas und Säulen mit einander verbindet

((Nach links weiter in die „rue du Faubourg Saint-Honoré, dann nach rechts in die „rue Daru“...)
Man kommt am Konzerthaus "Salle Pleyel" vorbei 
(Hausnr. 252)


16- Die russisch-orthodoxe Kirche Alexander-Nevski, 12 rue Daru
(Metro Ternes oder Courcelles)
(Tel
. 01 42 27 37 34, geöffnet Dienstag oder Freitag von 15.00 bis 17.00)
Zwei Architekten des Zaren bauten Mitte des 19. Jh. die orthodoxe Kirche zum Heiligen Alexander Nevski. Die drei vergoldeten zwiebelförmigen Kuppeln sind kennzeichnend für die byzantinische und orthodoxe Kirchenarchitektur. Das Kirchenschiff in der Form eines griechischen Kreuzes verbindet Kreis- und Rechteckformen und wird von einem Tonnengewölbe abgeschlossen. Das Innere zeigt sich im Schmuck von Mosaiken und einer reich verzierten Ikonenwand (Iconostase): es handelt sich dabei um eine mit Ikonen geschmückte Trennwand zwischen Kirchenschiff und dem Allerheiligsten des Altarraums. (Weiter nach rechts über die rue de Courcelles bis zum Peruplatz  „place du Pérou“...) 

An der Kreuzung rue de Courcelles und rue de Rembrandt errichtete F. Bloch 1926 einen Bau in Pagodenform für die Galerie C.T. Loo, die viel zur Kenntnis der orientalische Kunst in Frankreich beigetragen hat.
Hausnr. 9 rue de Murillo: im Hof befinden sich einige Überreste des Tuilerienpalastes, die 1882 nach dem Abriss hierher kamen, eine Folge des Brandes während des Kommuneaufstandes.

17- Der Monceau-Park
(Metro Monceau) (geöffnet 7.00-20.00 im Winter, 7.00-22.00 im Sommer)
Im Jahr 1787 ließ der Herzog von Chartres, der spätere Philippe Egalité, Vater von König Louis-Philippe, nahe beim Dorf „Monceau“ einen der ersten unregelmäßigen Gärten im englisch-chinesischen Stil erbauen. Die Landschaftsplaner Carmontelle und Blaikie entwarfen einen Garten, der wie ein Kuriositätenkabinett im Freien wirkt, das aus den Schönheiten der Natur ebenso Nutzen zieht wie aus den Vorzügen der Zivilisation. Die Natur war durch Flüsse, Haine, Felsen, Grotten vertreten, die Zivilisation durch eine Pagode und ein Tartarenzelt : beide sind nicht mehr vorhanden. Noch heute sieht man aber die ägyptische Pyramide und die Säulenreihe von Naumachia; es handelt sich hierbei um ein bekanntes Bassin, umgeben von den Ruinen einer Säulenreihe und benannt nach den Seeschlachten, wie sie ähnlich den Gladiatorenkämpfen in der Antike aufgeführt wurden. 

Dem Park wurde 1793 ein Zollgebäude angefügt, das von der „mur des fermiers générauxstammt („Mauer der Steuerpächter): an dieser neoantiken, mit einem Peristyl umgebenen Rotunde des Architekten Ledoux waren die Zölle für alle Waren eingetrieben worden, die nach Paris herein kamen. Der Herzog von Chartres hatte in ihr einen Salon eingerichtet, von dem aus man einen schönen Ausblick auf Paris hatte (Nordseite). Als 1860 der Ort Montceau nach Paris eingemeindet wurde, verkaufte Haussmann die eine Hälfte dieser sogenannten "folie" (Lustschlösschen) von Chartres an die Brüder Péreire zum Bau von herrschaftlichen Privathäusern. Der Park wurde mit einem vergoldeten Gitter und Eingangstoren versehen.  Alphand gestaltete ihn zum englischen Garten um, fügte eine Brücke in italienischem Stil und seltene Pflanzenarten (Zwergbäume) hinzu. Später stellte man im Park eine Arkade von dem Rathausbau auf, den  Aktivisten des Kommuneaufstandes 1871 niedergebrannt hatten. 

Rund um den Park von Monceau
Als 1837 die Brüder Péreire die Konzession erhielten, die Eisenbahn unter der Montceauhöhe zu bauen, war dies gegen Ende des Second Empire der Anlass für riesige stadtplanerische Aktivitäten auf der Ebene von Monceau. Im offiziellen Haussmannstil gebaute Häuser stehen neben Nachahmungen der Gotik oder Renaissance. (Man nehme den nördlichen Ausgang des Parks Richtung  „place de la République dominicaine...)

18- Avenue Vélasquez
Am Monceau-Park mündet die angenehmen Velazquez-Avenue mit ihren luxuriösen „hôtels“, etwa der Hausnr 5. Das Haus Nr. 7 von 1873 wurde stark verändert, als es zum Cernuschi -Museum umgebaut wurde.

Das Cernuschi - Museum, 7 Avenue Vélasquez (www)
(Metrostationen Monceau, Villiers) (Tel. 01 45 63 50 75, wegen Renovierung bis 2004 geschlossen)
Im Jahr 1896 hinterließ Henri Cernuschi der Stadt Paris sein Wohnhaus und die wertvolle Sammlung chinesischer Kunst darin. Der Wirtschaftspolitiker und Bankier hatte sie von einer Reise nach Fernost zwischen 1871 und 1873 mitgebracht. Das Museum ist seitdem sehr bereichert worden. Im Eingangsbereich sind Buddha-Statuen versammelt. Das Erdgeschoss ist der klassischen chinesischen Kunst von ihren Anfängen bis ins 13. Jh. gewidmet : Töpferei aus der Jungsteinzeit, Bronzefiguren (die Tigerin), Keramik, Porzellan, Grabfiguren, alte Malerei. In der ersten Etage werden wechselnde Ausstellungen gezeigt oder Tuschzeichnungen zeitgenössischer chinesischer Maler.

19- Das Museum Nissim-de-Camondo, 63 rue de Monceau
(Metro Villiers) (Tel. 01 45 63 26 32, geöffnet 10.00-17.00, außer Montag und Dienstag)
Das Gebäude wurde 1914 nach dem Vorbild des Petit Trianon im Park des Schlosses von Versailles errichtet. Architektur und Dekor im Inneren erinnern an die verfeinerte Atmosphäre eines Stadtpalais aus dem 18. Jh. Das Museum besteht aus einer Sammlung von Möbeln, Gemälden, Porzellan, Tafelgedecken, Gold- und Silberschmuck aus dem 18. Jh. Manche Stücke stammen aus den Schlössern der Pariser Umgebung (Montreuil, Saint-Cloud, Versailles). Die Sammlung wurde vom Grafen Moïse de Camondo zusammengebracht, dem Erben einer Familie von Finanziers, die seit dem zweiten Empire in Frankreich heimisch geworden ist. Im Jahr 1936 vermachte er seine Sammlung dem Kunstgewerbemuseum der „Arts Décoratifs“ zum Gedenken an seinen im ersten Weltkrieg gefallenen Sohn. Mehr noch bewegt das Schicksal der Nachkommen: die ganze Familie wurden in Auschwitz vernichtet.

20- Das Museum Jacquemart-André, 158 boulevard Haussmann (www, Bild www)
(Metro Saint-Philippe-du-Roule) (Tel. 01 42 89 04 91, geöffnet 10.00-18.00)
Die elegante Wohnanlage im Stil der italienischen Neo-Renaissance baute Edouard André 1875. Er heiratete 6 Jahre später die Portraitmalerin Nélie Jacquemart. Als kluge und kundige Sammler brachten die beiden eine sehr schöne Sammlung von Malerei und Kunstgegenständen zusammen, die Nélie Jacquemart 1912 dem „Institut de France“ vermachten. Die Sammlung ist nach Ländern geordnet: die französische Schule des 18. Jh. ist vertreten durch Möbel, Wandteppiche aus Beauvais, Gemälde von Boucher, Chardin, Fragonnard, Watteau und Skulpturen von Lemoyne und Pigalle; die flämische Schule des 17. und 18. Jh. durch Van Dyck, Rembrandt; die italienische Malerei wird von ihren toskanischen Anfängen, über die Malerei des Florentiner Quattrocento bis zur Venezianischen Renaissance gezeigt: Mantegna und "Der hl Gregor als Drachentöter" von Ucello.
(weiter über den Boulevard Haussmann bis zur Kreuzung mit der rue Washington...)

21- Washington plazza, früher Shell Haus, Nr. 44-42 rue Washington und 29 rue de Berri
(Architekten L. Bechmann und Chatenay, 1932)
Ein aus den USA zurückgekehrter Architekt entwarf das Gebäude nach dem Vorbild der New-Yorker Bauten doch in Pariser Maßstäben. Modernsten Bautechniken kamen bei den perfektionierten Heizungs- Belüftungsinstallationen und den Fahrstühlen zur Anwendung. Die monumentale Ladengalerie wurde inzwischen für die Öffentlichkeit geschlossen.
(Weiter über die „rue du faubourg Saint-Honoré“...)

Faubourg Saint-Honoré
Die Straße des Faubourg Saint-Honoré (Sankt Honorius-Vorstadt) zeigt noch immer ihren leicht geschwungenen Verlauf aus dem Mittelalter. Im 18. Jh. wurde die Aristokratie durch die weiten, leeren Flächen in der Nähe der Champs-Elysées (und der königlichen Residenz im Louvre) angezogen und baute hier prachtvolle Stadtpalais: wie z.B. die Hausnr. 137, 135

22- Die Kirche Saint-Philippe du Roule, 154 rue du Faubourg St-Honoré
(Metro St-Philippe du Roule) (Tel. 01 43 59 24 56, geöffnet 7.30-19.30; am Samstag, Sonntag sowie zwischen 15. Juli und 1. September : von 7.30-12.00 und von 16.00-19.30)
(Architekt  Jean-François Chalgrin, 1784)
Saint-Philippe du Roule wurde als Kirche für die sich entwickelnde Vorstadt des „faubourg Saint-Honoré“ von 1774-1784 errichtet. Der Bau des Architekten Jean-François Chalgrin stand am Beginn der Kirchen, die von der klassischen Antike inspiriert wurden, einer Mode die bis zur Mitte des folgenden Jh. andauerte. (siehe Notre-Dame de Lorette). In Nachahmung der römischen Basilika entfernt sich der Grundriss von dem bis dahin üblichen griechischen oder lateinischen Kreuz. Die Kirche bildet ein Rechteck aus einem Hauptschiff aber ohne Querschiff, mit zwei niedrigeren Seitenschiffen mit einer halbrunden Chorwand als Abschluss. Eine flache, verzierte Decke tritt an die Stelle des Gewölbes. Ein Vorteil der einfachen Konstruktion lag in der Senkung der Baukosten. Auch die Fassade mit ihrem Peristyl  aus vier Säulen und einem Giebel zeigen von dem neoklassischen Geschmack.

(Im Weitergehen kreuzt man die Avenue Matignon, dann gleich rechts...)
Bürogebäude, 22 Avenue Matignon
(Architekt Vittorio Mazzucconi, 1976)
Die Stadt Paris verlangte, dass sich die Fassade unauffällig der Umgebung einfügt, was durch das mittlere Kranzgesims erreicht wurde. Andererseits wünschte die Werbeagentur Walter Thompson als Ausdruck ihrer Kreativität ein spektakuläres Gebäude. Das erlaubte es dem Architekten, seiner Neigung entsprechend eine moderne Glasfassade mit falschen klassischen Ruinen zu verbinden „denn in Zeiten der Krise verwenden neue Zivilisationen Bestandteile der älteren“. Das Einsprengsel der Glasfläche ist ein Sinnbild für „das Drama des Bruchs unserer industriellen Zivilisation mir den früheren“ und für „die Katastrophen, die unsere Zivilisation bedrohen“.
(Links, bei Hausnr. 34 der Avenue Matignon...)
Der Bau der Galerie d'Orsay (Architekt J. Fernier, Bildhauer Babinet, 1992) (Abb. gegenüber)

Kunstgalerie der zeitgenössischen Malerei:  Envie d'Art

23- Palais de l'Elysée, 55 rue du Faubourg Saint-Honoré (www)
(Metrostationen Champs-Elysées-Clémenceau, Miromesnil) (Tel. 01 42 92 81 00)
Der Elyséepalast wurde 1718 von Mollet für den Grafen von Evreux erbaut. Mme de Pompadour kaufte ihn 1753. Im Jahr 1764 fiel er an Louis XVI, (der ihn durch Boullée, www ausschmücken ließ). Die Könige machten daraus eine Nebenstelle von Versailles, wo sie ihre Gäste unterbrachten. In der Revolution wurde der Palast zuerst zu einer Druckerei, dann zur Tanzschule und schließlich wurde er in Läden und Wohnungen aufgeteilt. Napoleon schenkte das Palais dann 1805 seiner Schwester Caroline. Sie und ihr Gemahl, der künftige Prinz Murat, verschönerten ihn mit zwei gelungenen Ergänzungen: dem Salon Argent und dem Salon Murat, in dem heute der Ministerrat tagt. Die Kaiserin Josephine wohnte hier, dann bis 1814 auch der Kaiser selbst. Zar Alexander machte ihn 1815 zu seiner Residenz, in der Napoleon 1815 seine Abdankung unterschrieb. Danach ging das Palais an den Bürgerkönig Louis-Philippe und schließlich an Louis-Napoléon Bonaparte. Napoleon III., der Kaiser des zweiten Empire, residierte zwar in den Tuilerien, veranlasste aber umfangreiche Bauarbeiten : er errichtete neue Flügelbauten an Stelle der vorherigen benachbarten Palais, veränderte die Innenausstattung tiefgreifend (Ballsaal) und stockte die Flügel zum Hof auf. Der Elyséepalast wurde von 1873 an zur offiziellen Residenz der Präsidenten der Republik. Vincent Auriol ließ 1947 die Markisen und die Fenster entfernen, jene Zutaten aus Metall und Glas, die das ausgehende 19. Jh. so liebte. Der jetzige Präsident Jacques Chirac wohnt in den Privatgemächern des Präsidenten, die sich in der ersten Etage des Flügels zur rue de l'Elysée befinden. Das prunkvolle Innere ist mit Wandteppichen aus der Manufaktur der Herstellerfamilie „Gobelin“ sowie mit Möbeln und Gemälden des französischen 18. Jh. geschmückt. Der Palast kann nur im September während der Tage des nationalen Kulturerbes („journées du patrimoine“) besichtigt werden : oft muss man dann drei Stunden warten, bevor man in das Herz der Staatsmacht vordringen kann... 

Das Stadtpalais des „hôtel du prince de Beauvau“ gegenüber dem Elysée ist Sitz des Ministeriums des Inneren.

Rue du Faubourg Saint-Honoré (Fortsetzung) : Das Palais Hausnr. 41 (von 1836) ist jetzt die Residenz des Botschafters der Vereinigte Staaten. Hausnr. 39 (von 1720) wurde  1825 die Botschaft Großbritanniens: man sieht das Wappen der englischen Monarchie mit seiner französischsprachigen Devise...; die Engländer bewahrten übrigens die Innenausstattung, die von der Schwester Bonapartes stammt. Sehenswert ist auch Hausnr. 33 (von 1713). Die rue du faubourg Saint-Honoré ist im übrigen nicht nur eine Hochburg der Pariser Haute Couture, hier finden sich auch Antiquitätenhändler, Juweliere, Kunstgalerien...  Jeanne Lanvin ließ sich schon 1890 in Hausnr. 22 nieder; ihr folgten Christian Dior, Yves Saint-Laurent, Cartier. Die Schaufenstermeile, an deren Auslagen man sich die Nase platt drücken kann, setzt sich bis zur rue Royale und der place Vendôme fort (1. Arr.).

Von der Madeleine-Kirche zum Bahnhof Saint-Lazare

24- Eglise de la Madeleine
(Tel. 01 44 51 69 00, geöffnet 7.00-19.00)

Die Kirche zur hl. Magdalena wurde 1764 begonnen, „um der Königsstraße (rue Royale) einen würdigen Abschluss zu geben", als Gegenstück zum Palais-Bourbon . Im Jahr 1806 wurde sie nach antikem Vorbild mit einer Säulenreihe umgeben und damals zu einem „Tempel zum Ruhm der französischen Armeen“ Napoleons gemacht. Als der Bau 1842 schließlich vollendet war, diente er wieder seiner ursprünglichen Bestimmung als Kirche. Das Innere ist typisch für die offizielle Kunst der Jahre 1830-1840 mit ihrem Schmuck durch Skulpturen und Fresken religiösen Inhalts. Dagegen sieht man von Außen weder Glockenturm noch Kreuz: die einzigen religiösen Zeichen sind die Heiligenstatuen in den Nischen und Flachreliefs der Bronzetüren.

La place de la Madeleine. Der Madeleineplatz, wurde1842 von Charpentier entworfen. Er wird von einem alten Blumenmarkt und von Feinkostgeschäften belebt. Proust wohnte in Hausnr. 9, dem Gebäude, das seit 1880 das Restaurant Lucas Carton beherbergt. Die Kuppel links gehört zur Kirche Saint-Augustin. Ein Kiosk bietet Tageskarten zum halben Preis für Theatervorstellungen am gleichen Tag.

Die rue Royale ist gesäumt von Luxusboutiken : Christofle, Lalique in Hausnr. 11 (www), Lachaume in Hausnr. 10 (seit 1845). Maxim's eröffnete im Jahr 1893 in der  Hausnr. 3 und zeigt immer noch sein Décor Art nouveau.

Museum Bouilhet-Christofle, 9 rue Royale
(Metrostationen Madeleine, Concorde) (Tel. 01 49 33 43 00, Führungen von 14.00 bis 18.00 Nach Voranmeldung 14 Tage im Voraus, geschlossen Samstag, Sonntag und im August)
Das Gold und Schmuckgeschäft von Charles Christofle wurde 1830 gegründet und entwickelte sich ab 1841 sehr schnell, nachdem der Goldschmied das englische Verfahren der Galvanoplastik eingeführt hatte, das Vergolden und Versilbern von Metallen durch Elektrolyse. Das Museum zeichnet 150 Jahre der Goldschmiedekunst nach, aus massivem Edelmetall ebenso wie aus vergoldetem und versilbertem Metall. Man sieht unter anderem eine filigrane Bonbonniere aus Silber, Tafelgeschirr für Napoleon III., eine Teemaschine von 1873, die Art déco-Sammlung des Passagierschiffs Normandie sowie zahlreiche zeitgenössische Stücke.

25- Das Kaufhaus " Magazin des Trois Quartiers", 17 boulevard de la Madeleine, 1. Arr.
(Architekt Louis Faure-Dujarric, 1932)

Schon seit 1829 besteht das „Trois Quartiers“ und ist damit eines der ältesten Kaufhäuser von Paris. Der Neubau von 1932 im Stil des Art déco wurde soeben restauriert. Der Architekt Faure-Dujarric hatte zuvor in Argentinien eher schwerfällige, dem Haussmannstil nachempfundene Gebäude errichtet. Seit den 20er Jahren zurück in Frankreich, vertrat er einen nüchtern-schmucklosen, graphisch inspirierten Stil. Tatsächlich zog der Baumeister im Gegensatz zu der überschwänglichen Verwendung von Metall in der ersten Generation der großen Kaufhausbauten, die vor allem deren wirtschaftliche Funktion unterstrich, eine Fassadengestaltung vor, die einem abstrakten Gemälde ähnelt. Die weißen Flächen aus Stein, die schwarzen Linien aus Stahl, die sorgfältige Behandlung aller Teile könnten eher zu einem luxuriösen Wohnhaus passen als zu einem Kaufhaus. Die Verkaufsräume zeigen heute den Chic der Mode von Chacok, Rodier und Hugo Boss über einem weiträumigen Untergeschoss, das dem Sport gewidmet ist.
(man kann von hier aus fortsetzen mit dem Rundgang durch das 1. Arrondissement...)
(oder auf dem Boulevard Malesherbes weitergehen...)

26- Wohngebäude, 4 rue Roquépine
(Architekten Jacques Vitry und Dominique Hertenberger, 1982)
Das Gebäude stellt einen Versuch dar, „die Prinzipien der klassischen Architektur auf zeitgenössische Art aber ohne platte Nachahmung neu zu interpretieren“. Die Fassade ist symmetrisch um eine Achse angeordnet und besteht aus drei unterschiedlichen gestalteten Etagen, statt nur identische Elemente übereinander zu schichten: Untergeschoss, die herrschaftlichen Etagen (teilweise als Maisonettewohnung), Schieferbedeckung wie bei den übrigen Dächern der Straße. Um der „Stadt einen wirklich urbanen Schmuck zu bieten“, sind besonders die ersten fünf für den Fußgänger gut sichtbaren Meter sehr sorgfältig gearbeitet.


27- Die Kirche Saint-Augustin, 46 boulevard Malesherbes
(Metro Saint-Augustin) (Tel. 01 45 22 23 12, geöffnet 7.00-19.30)
Victor Baltard, dem Architekten der früheren Markthallen, ist es gelungen, ein schwieriges dreieckiges Grundstück zu nutzen. Sein einfallsreicher Plan von 1861 legt die Kirche als ein weitläufiges Schiff an, dessen Seitenkapellen immer breiter werden. Sie münden in einen von einer großen Kuppel gekrönten Chor. Diese gibt der Silhouette ihr charakteristisches Aussehen. Die Konstruktion aus  Eisen ermöglichte eine Kuppel von 50 m Höhe. Die Steine, die das Metallgerüst verkleiden, haben keine tragende sondern nur dekorative Funktion. Eine Besonderheit des Innenraums ist die dekorative Verwendung der Metallstruktur, was höchst modern war. So ruht das Gewölbe des Kirchenschiffs auf offen sichtbaren, ziselierten Metallbögen. Die weiteren Elemente der Innenausstattung sind in romanischen, gotischen, neobyzantinischen, und Renaissance-Formen gehalten, der typischen Mischung des Eklektizismus am Ende des 19. Jh. 

Gare Saint-Lazare  
Der bedeutendste Pariser Bahnhof. 140 Millionen Reisende benutzen ihn jährlich, besonders in Richtung der westlichen Vororte. Der erste Bau von 1851 hatte Metallhallen, von denen sich Baltard für die ehemaligen Markthallen inspirieren ließ. Der Neubau wurde 1885 neu errichtet und mischt moderne Glasflächen mit dem akademischen Vokabular der Architektur des 17. Jh. So wurde zum Beispiel eine symmetrische Komposition als verbindendes Element zum ehemaligen Hotel Terminus entworfen. Als Symbol der modernen Zeit in Verbindung mit der eigenartigen Atmosphäre, die damals eine Reise mit dem Zug vermittelte, wurde „la gare Saint-Lazare“ zu einer Quelle der Inspiration für die Maler des Impressionismus : für Caillebotte, Manet, der sein Atelier in Hausnr.  58 der rue de Rome hatte, und für Monet, der hier immer den Zug nach Argenteuil nahm.
Im Jahr 1985 wurden in den beiden Bahnhofshallen „cour du Havre“ und „cour de Rome“ zwei Werke des Bildhauers
Arman aufgestellt: "l'Heure de tous" (Unser aller Zeit) ist eine Anhäufung von Uhren, "Consigne à vie" (Lebenslange Gepäckaufbewahrung) ist eine Komposition aus übereinander getürmten Koffern.

28- Place de l'Europe (Europaplatz)
Die Brücke des Europaplatzes hinter dem Bahnhof erlaubte im Jahr 1832 (und auch heute noch) die Betriebsamkeit der damals hochmodernen Eisenbahn zu beobachten, von deren Lärm, Rauch, Dampf und Getümmel wir uns kaum noch ein Bild machen können, es sei denn mit Hilfe des Gemäldes von Monet. Der Europaplatz bildet das Zentrum des Europaviertels aus derselben Epoche, dessen Straßen die Namen großer europäischer Straßen tragen. Die rue de Rome beherbergt eine ungewöhnliche Konzentration von Geigenbauern, Bogenbauern und weiteren Herstellern von Musikinstrumenten. Sie alle haben sich hier angesiedelt, als 1911 das Musikkonservatorium sich in der rue de Madrid niederließ. Dessen neuerlicher Umzug nach la Villette hat daran nichts geändert. Die Kunden kommen von weit her, um ihre handwerkliche Meisterschaft in Herstellung und Restauration zu nutzen.

(weiter in Richtung des Boulevard Haussmann...)

Das Proustzimmer (Chambre de Proust), 102 Boulevard Haussmann
In der zweiten Etage der SNVB-Bank befindet sich das jüngst restaurierte Zimmer von Marcel Proust, das vor allem wieder mit den Korkplatten ausgekleidet wurde, die es vor Lärm schützten. Der Autor der „Suche nach der verlorenen Zeit“ arbeitete hier von 1906 bis 1919. Das Mobiliar befindet sich freilich im musée Carnavalet  (Besichtigung auf Vereinbarung)

(Gegenüber...)
29- Der Stadtgarten "square Louis XVI"
Dreitausend Opfer der 13 Monate der Terrorherrschaft während der Revolution (1793-94) wurden an dieser Stelle, dem ehemaligen Friedhof der Madeleinkirche, beerdigt, unter ihnen König Ludwig XVI. und Marie-Antoinette. Ludwig XVIII. wünschte für seinen Bruder ein würdigeres Grab. Er ließ die beiden Leichname später in der Basilika von St. Denis bestatten. Er beauftragte Fontaine und Percier, an dieser Stelle eine Sühnekapelle für die revolutionären Verbrechen zu errichten. Der Garten des Square wurde 1865 angelegt, ein Jahr nach dem Straßendurchbruch des Boulevard Haussmann. 

(Man folgt weiter dem Boulevard Haussmann in Richtung der großen Kaufhäuser ...)
30-
Bürogebäude, ursprünglich Kaufhaus Majorelle, 126 rue de Provence
(Architekten Henri Sauvage und Charles Sarrazin, 1913)
Sauvage hatte fünfzehn Jahre zuvor für den Kunsttischler Majorelle dessen Haus in Nancy entworfen, das geradezu ein Manifest des „Art nouveau“ war... Doch keine Spur findet sich davon in diesem Gebäude für die Geschäftsräume des Möbelbauers. Der Architekt spielt nur mit der Verschiedenheit der Etagen, um deren Funktion hervorzuheben: eine monumentale Fassade für die ersten beiden Etagen mit den ehemaligen Ausstellungsräumen, runde, intimere Erkerfenster für die Büros der Stockwerke 3 und 4, weiträumige Werkstätten ganz oben.

 

(Weiter und dann nach links ...)
Die Kirche Saint-Louis d'Antin, 63 rue de Caumartin, 9è
(Metrostationen Havre-Caumarin, Saint-Lazare)
Die Kirche gehörte zu einem Kloster, das Brongniart, der Architekt der Pariser Börse, 1782 gebaut hat. Der nüchterne Hof gleich hinter dem Portal ist von dorischen Säulen umgeben. Mit diesem Bau begann übrigens die Vorliebe für diese massiven, schmucklosen Säulen ohne Basis. Das Kloster wurde 1804 von Napoleon in eine Schule umgewandelt. Das „Lyzeum Bonaparte“ war unter seinem Leiter Lakanal eines der vier große Pariser Lyzeen.  Viollet-le-Duc schuf 1865 einen Erweiterungsbau für das Gymnasium, das dann zum lycée Condorcet wurde. Zu seinen ehemaligen Schülern zählen Ampère, die Brüder Goncourt, Proust, Nadar, Léon Blum und andere mehr.

(Von hier aus kann man, beginnend an der Oper und den grands magasins mit dem Rundgang durch das  9. Arrondissement fortsetzen...)

(Man kann auch nach la Défense fahren: mit der Regionalbahn „RER“ ab der Station Havre-Caumartin bzw. mit der Buslinie 73 ab einer Haltestelle auf den Champs-Elysées, die man vom Bahnhof Saint-Lazare aus mit den Bussen 32 und 22 erreicht, bzw. ab Neuilly ebenfalls mit der Buslinie 73, im Anschluss an den Bus 43 vom Bahnhof Saint-Lazare...)

Associations du 8è
(Bürgervereinigungen im 8. Arrondissement)

Mairie du 8è
(Bürgermeisteramt des 8. Arrondissement)
François Lebel (RPR), 56 boulevard Malesherbes, 75 383, Paris cedex 08, métro Europe, Tel. 01 44 90 75 08 (www) (cedex = Postfach)

Das 8. Arrondissement in Zahlen

Statistik der Volkszählung von 1990
Erhebung des l'INSEE im 1. Quartal 
Zahlen für den
 8. Bezirk (Arrondissement)
Zahlen für Paris  Zahlen für den Großraum Paris
Gesamtbevölkerung 40 795 2 151 245 9 316 656
Einwohner nach Alter (in %)
0-19 Jahre
20-39 Jahre
40-59 Jahre
60-74 Jahre
+ 75 Jahre

19,5
31
26,7
13,8
9

18,6
35,9
24,7
12,2
8,5

25,5
33,8
24,7
10,2
5,7
Familien (Ehepaare und Kinder)
davon Kinder

Einzelhaushalte (in % der Haushalte)
Zahl der Menschen pro Haushalt
27 844
9 904

47
2,02
1 423 932
491 292

49,8
1,92
7 486 068
2 920 272
33,2
2,41
Beschäftigtenquote (in %)
davon arbeitslos
57,4
6
60,9
9,7
62,5
9
Die Haushalte in gesellschaftlicher und beruflicher Hinsicht (Haushaltsvorstand) (%) selbständige  Landwirte
Handwerker
, Handeltreibende, Leiter von Betrieben
Leitende Positionen in geistigen Berufen
Mittlere Angestellte und Beamte
Angestellte
Arbeiter
Rentner, Pensionäre

Andere
(Schüler, Studenten, Familienangehörige)


0
8,8

27,5
8,5
13,2
8
20,8

13,1


0
5,5

23,4
13,9
13,8
10,5
23,4
9,4


0,1
5,3

18,4
16,3
14,2
17,4
22,3
6,0
Status der Wohnraumbelegung
durch die Haushalte (in %)
Selbstgenutztes Wohneigentum
Mieter
Kostenlose Wohnraumnutzung

Wohnungen ohne Komfort
___ (ohne Bad und  Innen-WC )


28,2
55,6
16,2
11,1


28,3
63,0
8,7
8,1



40,2
54,0
5,8

3,9

Haushalte ohne Auto (in %)
Berufstätige, die in Paris arbeiten 
___ (bei Großraum Paris am Wohnort)
46,6
79,4
53,7
72,9
34,5
33,9

Internetseiten zum 8. Arrondissement (in französischer Sprache)
Internetseite des Bürgermeisteramts
Der Rundgang des Monat : Besichtigung des Elysée-Palastes

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